DIE KUNST DER BEGLEITUNG

Geschrieben am 07.02.2025
von Joachim Heisel


In einer Zivilisation, die an der Anonymität leidet und paradoxerweise zugleich, schamlos krank an einer ungesunden Neugier, darauf versessen ist, Details aus dem Leben der anderen zu erfahren, braucht die Kirche den Blick der Nähe, um den anderen anzuschauen, gerührt zu werden und vor ihm Halt zu machen, so oft es nötig ist. In dieser Welt können die geweihten Diener und die übrigen in der Seelsorge Tätigen den Wohlgeruch der Nähe und Gegenwart Jesu und seines persönlichen Blicks wahrnehmbar machen. Die Kirche wird ihre Glieder – Priester, Ordensleute und Laien – in diese „Kunst der Begleitung” einführen müssen, damit alle stets lernen, vor dem heiligen Boden des anderen sich die Sandalen von den Füßen zu streifen (vgl. Ex 3,5). Wir müssen unserem Wandel den heilsamen Rhythmus der Zuwendung geben, mit einem achtungsvollen Blick voll des Mitleids, der aber zugleich heilt, befreit und zum Reifen im christlichen Leben ermuntert
Und schließlich beten wir für die Menschen an unserer Seite. Vielleicht betet niemand für sie aber das Gebet, so glauben wir doch. Ist eine Kraft, die auch dann noch wirkt, wenn unsere menschlichen Bemühungen versagen.

Aus dem Apostolischen Schreiben  Evangelii Gaudium  (Die Freude des Evangeliums) von Papst Franziskus vom 24.11.2013

In einem Artikel habe ich gelesen, dass Psychotherapeuten, gelegentlich Klienten, die sich einsam fühlen und kaum mehr aus dem Haus gehen, empfehlen einmal am Tag das Haus zu verlassen und eine fremde Person anzusprechen. Ja, vielleicht können auch wir uns das vornehmen, dass wir einmal am Tag jemandem ansprechen, der jetzt nicht unbedingt unseren beruflichen Interessen dient oder der Mitglied unserer Familie ist, sondern einfach ein Mensch, für den wir uns interessieren um Christi willen.

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