SINN UND GRENZE

Geschrieben am 07.02.2025
von Joachim Heisel



Ein  autoritatives Weltbild gründete früher  in einem Vater-Gott, der die Welt regiert und von jedem Einzelnen Gehorsam fordert. Man sieht darin heute mit Recht  eine Sicht auf Gott, die sein eigentliches Wesen verstellt, denn nach christlichem  Verständnis ist die wichtigste Wesenseigenschaft  Gottes  die Liebe, aus der  er auch  die Welt und den Menschen erschaffen hat.

Es wäre aber  falsch,  die Vorstellung von einem Gott, der von uns Gehorsam erwartet, als alttestamentarisch abzutun, denn nur ein Gott, der wirklich in diese Welt eingreift, kann für den Menschen Bedeutung haben. Sonst würde Gott zu einem Museumsstück. Ein Gott, der sich von der Welt absetzt, kann nicht Adressat für meine Gebete sein.

Ein Gott, der Gehorsam fordert, kann durchaus ein liebender, ja zärtlicher Gott sein. Der Gott der Zehn Gebote ist der gleiche Gott wie der Gott Jesu Christi, der seinen Sohn für die Erlösung der Menschen hingibt. Nur er kann letztlich wissen, was gut für sein Geschöpf ist. Er hat den Menschen erschaffen und ihm den Lebensatem, seinen Geist eingehaucht (vgl. Gen 2,7). Nur ein Gott, dem an seinem Geschöpf etwas gelegen ist, wird diesen Gehorsam verlangen.

Zwischen Sinn und Grenze  besteht notwendigerweise ein Zusammenhang. Wenn ich in meinem Leben keine Grenze mehr anerkenne, verliert es seinen Sinn. Ohne Grenzen gibt es keinen Sinn, weil alles ausufert und ohne Kontur und Gestalt bleibt. Sinn heißt aber auch immer hinausweisen über uns selbst. Wer könnte besser um den Sinn unseres Lebens wissen als Gott.

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Hinweis: Am Dienstag 11.2.25 um 19.30 Uhr findet im Bildungszentrum Weidenau Pienzenauerstr. 38  81679 München-Bogenhausen,  ein Vortrag zum Thema: Christlicher Widerstand im Nationalsozialismus in München und in Bayern statt.

Weiteres und Anmeldung unter www.weidenau.org  s. unter FORUM