Unser Alltag läuft in der Regel ohne große Ereignisse ab, und oft leiden wir unter der Eintönigkeit der immer gleichen Abläufe. Aber gerade dort kann Gott zu uns sprechen. Christus selbst gebrauchte in seiner Verkündigung alltägliche Dinge als Gleichnisse für das Reich Gottes, für das Leben der Gnade, das er den Menschen bringen wollte. „Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war“ (Mt 13,33).
Die Ereignisse des Tages oder die Vorgänge bei der Arbeit dienen Christus als Gleichnis der ewigen Bestimmung des Menschen. „Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre!“ (Mt 13,3-9).
Hieran ist etwas Besonderes, das die christliche Meditation von jeder fernöstlichen Versenkung unterscheidet. Christus macht uns die materiellen Dinge, die Natur und das Leben zur Ewigkeit hin transparent. Als Bilder des Zukünftigen und Endgültigen scheinen sie in ihrer wahren Bedeutung auf, ohne ihren Sinn und Wert für den Alltag zu verlieren. Mit dem Blick der Liebe schaut Christus auf jedes Detail der Schöpfung: „Seht euch die Lilien an“ (Lk 12,27-29), ruft er seinen Zuhörern zu und lenkt damit ihren Blick auf die Schönheit der Schöpfung.
Weil Gott im Anfang dem Menschen die Schöpfung zu Füßen legt (vgl. Gen 1,28-29; 2,15), möchte Gott, dass der Mensch ihm in der neuen Schöpfung die Erde gleichsam zu Füßen legt. Wenn wir Gott als Schöpfer aller Dinge anerkennen, d. h. unsere Welt in Beziehung zu Gott bringen, nimmt unsere tägliche Arbeit am Schöpfungswerk Gottvaters teil. „Herr, ... wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!“ (Ps 8,10).
Nächster Blogbeitrag 15.3.25
Hinweis: Am Dienstag 1.April 2025 um 19.30 Uhr wird Tobias Haberl aus seinem Buch "Unter Heiden" im Bildungszentrum Weidenau, Pienzenauerstraße 38, 81679 München vorlesen und anschließend sein Buch signieren.